Filmkritiken
Return to Seoul
erschienen 26.01.2023
Länge 1 Stunde 59 Minuten
Genre Drama, Familie
Regie Davy Chou
Cast Park Ji-min, Oh Gwang-rok, Guka Han, Kim Sun-young, Yoann Zimmer
Drehbuch Laure Badufle, Davy Chou, Violette Garcia
Musik Jérémie Arcache, Christophe Musset
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Quelle: themoviedb.org

Return to Seoul

8 / 10

Kulturkollision, Kommunikationshürden, Verbundenheit: Davy Chous Return to Seoul begleitet die junge Französin Freddie (Park Ji-min) auf ihrem Ferientrip in der südkoreanischen Hauptstadt, in der sie sich mittels eines Adoptionszentrums auf die Suche nach ihren biologischen Eltern macht. In den ersten Szenen wird den Zuschauer:innen die historische, aber auch charakterliche Dimension dieser Suche verdeutlicht, denn für Freddie ist diese Lückenfüller und Suche in ihrer Identität zugleich. Differenzen sind in der Suche nach den Wurzeln quasi vorprogrammiert und damit auch der sich nahtlos einfügende Humor in den Sprachfetzen. Sie hangelt sich mit Übersetzerinnen von einer tönernen Dialogebene zur nächsten und es werden unterschiedliche Versuche zur Annäherung mit der leiblichen Vergangenheit unternommen.

Doch wie ein Fremdkörper fühlt sich Freddie an und nicht nur das – durch ihr Sondieren in Seoul und außerhalb befindet sie sich in einer physischen und mentalen Schwebe. In Park Ji-mins exzellenter Debütperformance wechseln sich Suche und Flucht stets ab. Ihre defensive Körpersprache spiegelt eine Aversion und Misstrauen gegenüber jeder Person wider, ihre eiskalten Augen eine eisern abgedeckte Unruhe und dann findet ein wuchtiger, von Eskapismus getriebener Switch statt, angefangen bei der Kennenlernrunde in einem Restaurant und vollendet im befreiten Tanz in der Bar und im Untergrund-Club zu mitreißenden Disko- und Technobeats. Freddie dockt sich mit diesem Auftreten immer wieder an neuen Freunden an, löst sich später aber wieder von ihnen, unter anderem mit einem Hinweis auf den permanenten Hot Seat in ihrem Kosmos.

Diese impulsive Bindungsverweigerung und Abspaltung zeigt sich in einer Kleininsel-Metapher mit den Gezeiten Ebbe und Flut und findet ihren Höhepunkt in einem Klavierstück, dessen Notenpapier Freddie in einem Hotel vor sich liegen hat. Die ersten Noten werden mit der linken Hand gespielt, doch mit den kommenden Zeilen benötigt sie schließlich beide Hände. Selbst dann schleichen sich einige Misstöne ein, die das fragile Innere der Protagonistin hervorheben und es herrscht eine leichte Disharmonie im Stück – Sinnbild für die Distanz zur Familie und die Anerkennung zweier Länder, die Freddie aus Kindheits- und biologischer Sicht Heimat nennen muss. Ein unangenehmer Einklang und eine deprimierende, obgleich starke Zusammenfassung ihrer Identitätssuche. Die Zeitsprünge verwirren etwas, unterstreichen aber dabei die zu lobende Beharrlichkeit. Nah und fern ist die einzige Konstante.

Stören tut in der Handlung ein beruflicher Exkurs, der primär nur eine humoristische Funktion erfüllt und einen schwachen Kontrast zu den Beweggründen der zur Adoption fortgeschickten Protagonistin bildet. Letztendlich ist Return to Seoul ein Film der Gegensätze und zeichnet sich durch einen guten Spannungsbogen sowie das Pendeln zwischen Highs und Lows, zwischen Freude und Enttäuschung als auch zwischen Einfühlsamkeit und Härte aus. So schwingt Freddie in ihren Gefühlen und den Bewegungen umher und zeigt das schmerzliche, ungewollte Manko in ihrem Leben: den fehlenden Halt.

Film Return to Seoul
erschienen 26.01.2023
Länge 1 Stunde 59 Minuten
Genre Drama, Familie
Regie Davy Chou
Cast Park Ji-min, Oh Gwang-rok, Guka Han, Kim Sun-young, Yoann Zimmer
Drehbuch Laure Badufle, Davy Chou, Violette Garcia
Musik Jérémie Arcache, Christophe Musset